Presseinformationen
Presseinformation Nr. 01 vom 04. März 2010
Leichtester Junge der Welt an Universitätsmedizin Göttingen geboren
Überlebenskünstler: Mit einem Geburtsgewicht von nur 275 Gramm ist Frühgeborenes weltweit der leichteste überlebende Junge.
(umg) Mit einem extrem geringen Körpergewicht von nur 275 Gramm und einer Größe von 27 Zentimetern wurde im Juni 2009 ein Junge in der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe (Direktor: Prof. Dr. Günter Emons) der Universitätsmedizin Göttingen geboren. Die Mutter des Frühchens aus Nordthüringen war wegen Schwangerschaftsproblemen in die Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Göttingen eingewiesen worden. Der Junge war im Mutterleib akut lebensbedrohlich gefährdet, aber für eine Geburt noch zu klein. Ärzte der Universitäts-Frauenklinik konnten die Entbindung noch zwei Tage hinauszögern, um ein Leben des kleinen Jungen außerhalb des Mutterleibes zu ermöglichen. Komplikationen machten es notwendig, dass der Junge dann umgehend durch einen Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden musste.
Der Junge kam 15 ½ Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt. "Nach sechs Monaten auf der Intensivstation konnten wir das Kind nach langer und intensiver medizinischer Versorgung und Pflege mit einem Gewicht von 3.700 Gramm im Dezember 2009 nach Hause entlassen", sagt Dr. Stephan Seeliger, Neonatologe und Oberarzt in der Abteilung Pädiatrie III - Schwerpunkt Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin am Perinatalzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.
Klein und leicht - Frühchen überlebt
Der Junge wurde in der 25. Schwangerschaftswoche geboren. Damit kam er zu früh auf die Welt. Die Überlebenschance des Neugeborenen wurde gering eingestuft, da die Sterblichkeitsrate bei Jungen etwa 25 Prozent höher liegt als bei Mädchen. Mit seinem extrem geringen Körpergewicht und seiner geringen Größe wurde er als sehr "dystroph", also als zu klein und zu leicht, eingestuft. Mit einem Gewicht von 275 Gramm ist der Junge nach den bekannten vorliegenden Daten der leichteste Junge und insgesamt das viertleichteste Kind weltweit überhaupt, das eine zu frühe Geburt überlebt hat.
Grundsätzlich gehen Kinderärzte davon aus, dass Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 350 Gramm nicht lebensfähig sind. Frühgeborene der 25. Schwangerschaftswoche mit einem solch extrem geringen Geburtsgewicht haben auch heute nur eine geringe Überlebenschance. Sie sind durch ihre Unreife, ihr Untergewicht und zusätzlich durch Infektionen gefährdet. "Schwerwiegende Komplikationen, wie zum Beispiel eine Hirnblutung oder eine lebensbedrohliche Infektion, sind bei dem Kind zum Glück nicht aufgetreten", sagt Dr. Seeliger. Damit sich der Junge motorisch und neurologisch weiter gut entwickelt, erhält er eine intensive Förderung und steht unter regelmäßiger medizinischer Kontrolle. "Risikofrühgeborene sind gerade in den Wintermonaten durch Infekte der Lunge gefährdet", so Dr. Seeliger.
Als Hoch-Risikofrühgeborene gelten allgemein alle Babys, die vor der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Babys in der 25. Schwangerschaftswoche sollten ein Gewicht von ca. 550 bis 790 Gramm aufweisen. Im Vergleich dazu hatte der kleine Patient mit nur 275 Gramm ein Gewicht, das der 19. bis 20. Schwangerschaftswoche entspricht.
Im Perinatalzentrum der Stufe 1 an der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten Gynäkologen/Geburtshelfer und Neonatologen/Kinderärzte eng zusammen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Perinatalzentrums der Stufe 1 erarbeiten gemeinsame Behandlungsstrategien und stehen für Fragen der Patienten und Angehörigen zur Verfügung. Im letzten Jahr wurden im Perinatalzentrum Göttingen über 90 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm versorgt.

Der frühgeborene Junge fünf Tage nach seiner Geburt im Sommer 2009. Foto: UMG

Der Junge knapp vier Monate nach seiner Geburt zum Zeitpunkt seines errechneten Geburtstermins. Foto: UMG
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