Sonderforschungsbereich „Herzschwäche“ verlängert

(umg) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verlängert die Förderung für den Sonderforschungsbereich SFB 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“ an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) um eine weitere Förderperiode von vier Jahren mit einer Fördersumme von 11,8 Millionen Euro.

Der Sonderforschungsbereich SFB 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“ will Details und Zusammenhänge bei der Volkskrankheit Herzschwäche („Herzinsuffizienz“) noch besser verstehen. Das Ziel der SFB-Forscher sind neue Verfahren für eine wirksamere Behandlung der Herzschwäche. Dazu untersuchen sie ausgesuchte Signalwege, die die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Zellen im Herzen sowie kleinster Funktionseinheiten in Herzzellen, sogenannte „funktionelle Mikrodomänen“, herstellen und bei der Entstehung der Herzschwäche eine Rolle spielen.

Sprecher des Sonderforschungsbereichs 1002 ist Professor Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen sowie Vorsitzender des Herzforschungszentrums Göttingen (HRCG) und Mitglied im dreiköpfigen Vorstand des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK).
Prof. Dr. Gerd Hasenfuß sagt: „Die weitere Förderung des SFB 1002 bestätigt unser Konzept der engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Klinikern mit Grundlagenwissenschaftlern. Sie ermöglicht uns, neue Verfahren zur Behandlung der Herzinsuffizienz zu identifizieren, die wir dann im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung erstmals klinisch einsetzen werden. Außer Göttingen gibt es nur noch zwei weitere Standorte in Deutschland, die sowohl Mitglied im DZHK sind als auch einen Herz-Kreislauf-SFB haben, nämlich Frankfurt und München.“

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstand Forschung und Lehre an der UMG und Dekan der Medizinischen Fakultät, sagt: „Die Entscheidung der DFG belegt die herausragende Kompetenz und ausgezeichnete Expertise der Herzforschung an der Universitätsmedizin Göttingen und der wissenschaftlichen Institute am Campus Göttingen. Die weiterhin wachsende Qualität unserer Forscherinnen und Forscher stärkt die Attraktivität des Standorts. Das ist gerade auch im Vorfeld der neuen Exzellenzinitiative der Bundesregierung ein klarer Gewinn für die Universitätsmedizin Göttingen und den Wissenschaftsstandort Göttingen“, so Prof. Kroemer.

Wissenschaftler aus den verschiedenen Bereichen der Herz-Kreislaufforschung, Mediziner, Experten aus der Pharmakologie, Biochemie, Biophysik, Informatik und aus der Physik arbeiten am Forschungsstandort Göttingen in 18 Einzelprojekten zusammen. Beteiligt sind Forscher aus neun Kliniken und Instituten der Universitätsmedizin Göttingen, aus der Abteilung Biomedizinische Physik am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und aus der Abteilung NanoBiophotonik am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

HINTERGRUNDINFORMATION: FORSCHUNGSTHEMA „HERZINSUFFIZIENZ“
Die Herzschwäche oder „Herzinsuffizienz“ gilt als eine der häufigsten Erkrankungen in Europa. Rund zwei Prozent der europäischen Bevölkerung ist daran erkrankt. Trotz der Entwicklung moderner, effektiver Behandlungsverfahren ist die Lebensqualität der betroffenen Patienten eingeschränkt, derzeit überlebt nur etwa die Hälfte aller Erkrankten weitere fünf Jahre.
Im Mittelpunkt der Forschungen im SFB 1002 steht ein Geschehen im Erkrankungsprozess, das als wesentliche Komponente für die Entwicklung der Herzschwäche gilt: Es handelt sich dabei um das medizinische Phänomen der „gesteigerten mechanischen (hämodynamischen) Last“. Diese gesteigerte Last, die der Herzmuskel bewerkstelligen muss, kann durch einen Herzinfakt, infolge von Klappenerkrankungen, durch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Erkrankungen des Herzmuskels, sogenannten „Kardiomyopathien“, wie das „gebrochenes Herz Syndrom“, entstehen. Sie bewirkt Umbauvorgänge (kardiales Remodeling) im Herzen. Diese führen dann zur Pumpschwäche und zum Auftreten von Rhythmusstörungen, den beiden häufigsten klinischen Problemen bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

„Der fehlende Fortschritt im Bereich der Pharmakotherapie in den vergangenen 20 Jahren könnte darauf zurückzuführen sein, dass spezifische lokale Therapiewege bisher nicht identifiziert wurden“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Sprecher des SFBs. „Aus einem besseren Verständnis der Pathophysiologie der Herzinsuffizienz wollen wir neue Therapieverfahren entwickeln. Das sind zum Beispiel neue Medikamente, die gezielt auf kleinste Funktionseinheiten der Herzmuskelzellen oder auf Botenstoffe der Zellkommunikation wirken. In der neuen Förderperiode sollen insbesondere auch genetische und epigenetische Mechanismen als neue Therapieansätze erforscht werden. Darüber sollen mit einem neu entwickelten Ultraschall- und MRT-Verfahren die bei der Herzschwäche auftretenden Herzrythmusstörungen untersucht werden und Behandlungskonzepte daraus entwickelt werden.“

SONDERFORSCHUNGSBEREICHE DER DFG
Ziel der Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist es, innovative, aufwendige und langfristig konzipierte Forschungsvorhaben über die Grenzen von Fachdisziplinen und Institutionen hinaus zu fördern. Neben wissenschaftlichen Aspekten tragen auch Nachwuchsförderung und die Gleichstellung von Forscherinnen und Forschern zum erfolgreichen Abschneiden im Auswahlverfahren der DFG bei.

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Prof. Dr. Gerd Hasenfuß
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