Herzkatheteruntersuchung und Behandlung
Herzkranzgefäße
Einlagerungen von Kalk und Blutfetten in die Wände der Herzkranzgefäße, sogenannte atheromatöse Plaque, können zu Gefäßverengungen (Stenosen) führen und die Blutversorgung des Herzmuskels beeinträchtigen. Betroffene Patienten klagen dabei – bei Belastungen vermehrt - über regelmäßig wiederkehrende, schmerzhafte Brustenge (Angina pectoris) und eine eingeschränkte Lebensqualität. Bricht der atheromatöse Plaque auf, bilden sich an dieser Stelle Gerinnsel (Thromben) und die Blutversorgung des Herzmuskels kommt teilweise zum Erliegen. Es entsteht ein Herzinfarkt, bei dem Herzmuskelgewebe unwiederbringlich zugrunde geht. Anschließend bemerken Patienten bereits in Ruhezuständen schwere Brustschmerzen. Dies ist ein Notfall: Die sofortige Versorgung durch den Notarzt ist unbedingt erforderlich!
Im Herzkatheter werden die erkrankten Herzkranzgefäße durch ein spezielles Röntgenverfahren unter Verwendung von Kontrastmittel (Koronarangiographie) untersucht. Dabei werden die Katheter - dies sind dünne, biegsame Kunststoffschläuche - über eine punktierte Schlagader von der Leiste, dem Handgelenk oder von der Armbeuge aus bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Der Patient ist während der Untersuchung wach und kann den Untersuchungsablauf verfolgen. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft und dauert circa zehn Minuten.
Bei der Behandlung wird die Engstelle mit einem Ballonkatheter aufgedehnt (PTCA) und das Gefäß gegebenenfalls durch eine Gefäßstütze (Stent) stabilisiert. Durch diese Maßnahme wird eine ausreichende Durchblutung der Kranzgefäße wieder hergestellt. Es werden je nach Bedarf reine Metallstents ("bare-metal Stents", BMS) oder medikamenten-freisetzende Stents ("drug-eluting" Stents, DES) verwendet. Die Medikamenten-Freisetzung verhindert die erneute Verengung. Frühere Meldungen über eine mangelnde Sicherheit dieser Stents haben sich in großen klinischen Studien mittlerweile als unbegründet erwiesen. Während der Katheteruntersuchung werden neben der Röntgendarstellung weitere Methoden, wie Ultraschall (IVUS) und Gefäßdruckmessung (FFR) verwenden, um die Relevanz der Verengung zu beurteilen, denn nicht jede Engstelle muss aufgedehnt werden Dadurch steigt nicht nur die Lebensqualität. Eine große Studie (FAME) hat gezeigt, dass ein derart differenziertes Vorgehen auch die Prognose des Patienten verbessert.
Beim akuten Herzinfarkt sind ein besonders schnelles Vorgehen und die rasche Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes erforderlich, um Herzmuskelgewebe vor dem Absterben zu bewahren. Dies wird durch eine 24-Stunden-Einsatzbereitschaft gewährleistet. Das Herzzentrum der Universitätsmedizin unterzieht seine Einsatzzeiten einer regelmäßigen Überprüfung (FITT-STEMI) und konnte wiederholt zeigen, dass es die strengen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie erfüllt.
Herzklappentherapie
Minimal-invasive Aortenklappenimplantation
Die kalkige Verengung der Aortenklappe, die so genannte Aortenstenose, beeinträchtigt die Herzleistung. Betroffene Patienten klagen häufig über Luftnot und schlechte Belastbarkeit, manchmal auch Schwindel, Stürze oder Brustenge. Oft hilft nur der operative Aortenklappenersatz. Viele Patienten gelten aber aufgrund fortgeschrittenen Alters als inoperabel. Als Alternative bietet das Herzzentrum der Universitätsmedizin ein minimal-invasives Verfahren an, bei dem Kardiologen und Herzchirurgen eng zusammenarbeiten. Hierbei wird die verkalkte Aortenklappe zunächst mit einem Ballonkatheter geweitet. Anschließend wird die in einem Gitterröhrchen (Stent) aufgehängte und auf einen Ballonkatheter zusammengefaltete Bioprothese aus gereinigtem Rinder- oder Schweineherzgewebe kathetergestützt im Herzen platziert. Der Eingriff wird entweder über die Leistenarterie oder über die Herzspitze vorgenommen. Welche der beiden Eingriffsarten für den jeweiligen Patienten geeignet ist, wird in intensiven Voruntersuchungen geklärt. Der Eingriff wird am schlagenden Herzen ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine vorgenommen.
Video: Transapikale Aortenklappenimplantation
Video: Transfemorale Aortenklappenimplantation
Minimal-invasive Mitralklappenrekonstruktion
Die Undichtigkeit der Mitralklappe, die so genannte Mitralinsuffizienz, bedeutet für die betroffenen Patienten ständige Luftnot, schlechte Belastbarkeit und eingeschränkte Lebensqualität. Die Mitralklappeninsuffizienz ist zwar häufig operativ gut zu korrigieren, viele Patienten haben aber aufgrund fortgeschrittenen Alters oder zusätzlicher Erkrankungen ein zu hohes OP-Risiko. Diesen Patienten kann durch Behandlung mit Kathetertechnik geholfen werden. Hierbei werden beide Segel der undichten Mitralklappe durch einen Clip zusammengeführt und adaptiert. Der in einem Katheter vormontierte Clip wird über die Leistenvene eingeführt und durch die Vorhofscheidewand zum linken Vorhof des Herzens vorgebracht. Durch eine dreidimensionale Steuervorrichtung wird der Clip dann in die richtige Position gebracht und platziert. Vor der Freisetzung kann die Position mehrfach korrigiert werden, bis ein optimales Ergebnis vorliegt. Der Eingriff wird am schlagenden Herzen ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine vorgenommen.
Video: Mitralklappenreparatur
Schirmchen-Verschluss des offenen Foramen Ovale
Ein ventilartiges Loch in der Vorhofscheidewand des Herzens kann unter bestimmten Vorraussetzungen Ursache für einen Schlaganfall sein. Besonders bei jüngeren, ansonsten gesunden Patienten, die infolge eines solchen Ereignisses nicht lebenslang blutverdünnende Medikamente einnehmen wollen, empfiehlt sich ein kathetergestützter Verschluss des Loches mit einem Doppel-Schirm-System. Ein speziell geformter Katheter bringt das Schirmsystem über die Leistenvene zu den Vorhöfen des Herzens. Dort wird das Implantat dergestalt aufgefaltet, dass auf jeder Seite der Vorhofscheidewand ein Schirmchen des Doppel-Schirmsystems das Loch umschließt. Der Eingriff wird ohne Narkose am schlagenden Herzen vorgenommen. Nach ca. sechs Monaten ist der Patient in der Regel medikamentenfrei.
Schirmchenverschluss des linken Herzohres als Alternative zur starken Blutverdünnung bei Vorhofflimmern
(umg) Vorhofflimmern ist die am häufigsten auftretende Herzrhythmusstörung. Allein in Deutschland sind rund 340.000 Menschen betroffen. Durch das Flimmern der Vorhöfe kommt der Blutfluss im Herzen teilweise zum Erliegen. Die Folge: Es können Blutgerinnsel bevorzugt im Herzohr, einer sackartigen Ausstülpung des linken Herzvorhofes, entstehen, die zu einem Schlaganfall führen können. Das Risiko einen Schlaganfall zu bekommen, ist bei Patienten mit Vorhofflimmern fünffach höher. Um dem vorzubeugen, werden meist starke Blutverdünnungsmittel (z.B. Marcumar®, Falithrom®, Pradaxa®, u.a.) eingesetzt. Bei einigen Patienten kommt es jedoch zu unkontrollierbaren oder folgenschweren Blutungen, wenn sie die Medikamente nicht gut vertragen. Wir arbeiten seit 2009 mit einem neuen Operationsverfahren, das das Schlaganfallrisiko in gleichem Maße senkt wie die Gabe von Blutverdünnern. Mit einer Art „Stöpsel“ wird das Herzohr, das für die Funktion des Herzens keine Bedeutung hat, verschlossen. Das Implantat besteht aus einem Netzwerk flexibler, aber formstabiler Nitinol-Drähte. Mit einem Herzkatheter wird das Implantat in zusammengefalteter Form über die Venen bis zur Mündung des Herzohres vorgeschoben. Beim Austritt aus dem Katheter öffnet sich das Drahtgeflecht selbstständig. Sicher in der Herzohrwand verankert, verschließt es übergangslos die Öffnung des Herzohres zum linken Vorhof. „Das Implantat ist sehr beweglich und kann solange positioniert werden, bis es den besten Sitz hat. Die Einnahme von starken Blutverdünnern ist anschließend nicht mehr erforderlich. Der Eingriff mittels Herzkatheter ist minimal invasiv und dadurch schonend für die Patienten. Die Methode findet ohne Narkose am schlagenden Herzen statt. Nach meist nur ein bis zwei Tagen kann der Patient nach Hause entlassen werden. Die Kosten für das Verfahren erstatten die Krankenkasse.
Verankerung des Schirmchens im Herzohr (noch am Katheter befestigt).
Foto: St. Jude Medical.
Ein Deckel verschließt den Eingang des Herzohres und der Katheter kann entfernt werden.
Foto: St. Jude Medical.
Renale Denervierung zur Behandlung der Medikamenten-resistenten arteriellen Hypertonie
Die Bluthochdruckerkrankung gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und muss weltweit als die Todesursache Nummer 1 angesehen werden, da zahlreiche Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenversagen darauf zurückzuführen sind. Von dieser Volkskrankheit sind allein in Deutschland 30 Mio. Menschen betroffen, wobei häufig selbst hohe Blutdruckwerte nicht bemerkt werden. In über 90 Prozent der Fälle kann keine direkte Ursache für den Bluthochdruck gefunden werden und es blieben bislang nur Medikamente, um den Blutdruck zu senken und die Organschäden zu vermindern. Tragisch dabei ist, dass bei vielen Patienten der Bluthochdruck nicht einmal durch eine Mehrfachkombination an Medikamenten ausreichend eingestellt werden kann.
Die renale Denervierung stellt für Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck eine neue, minimal-invasive Behandlungsmethode dar. Als therapieresistent bezeichnet man eine Bluthochdruckerkrankung, bei der der Blutdruck trotz der Einnahme von mindestens 3 blutdrucksenkenden Medikamenten (inklusive Diuretikum) nicht in den Zielbereich gebracht werden kann.
Das Vorgehen bei einer renalen Denervierung ist vergleichbar einer selektiven Darstellung der Nierenarterien im Rahmen einer Angiographie. Über einen Zugang in der Leiste wird ein spezieller Ablationskatheter unter Durchleuchtung in die Nierengefäße eingebracht. Über dessen Spitze können an einer definierten Stelle der Gefäßwand die an der äußeren Seite des Gefäßes verlaufenden sympathischen Nervenfasern mittels Radiofrequenzablation verödet werden. Dies ist ähnlich wie bei elektrophysiologischen Ablationen bei Rhythmusstörungen am Herzen. Das Verfahren ist vergleichbar aufwendig wie eine Herzkatheteruntersuchung und dauert etwa eine Stunde. Die Komplikationsrate ist sehr gering. In Studien kam es durch die Ablation zu einer Absenkung des systolischen arteriellen Blutdrucks um 25mmHg - ein Effekt, der auch noch nach 24 Monaten nachzuweisen war.
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