Presseinformationen

Presseinformation Nr. 09 vom 20. Juli 2010

Herzinfarkt: früh erkennen, rasch behandeln, Leben retten!

Mit guter Hilfequote: Erste zertifizierte Brustschmerz-Einheit in Niedersachsen am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen arbeitet erfolgreich nach neuesten Leitlinien in der Herzinfarktversorung.


(umg) Schnelle medizinische Hilfe ist bei einem Herzinfarkt lebensnotwendig. Innerhalb der ersten 120 Minuten nach dem Infarkt sollte ein Patient behandelt sein, damit seine Überlebenschancen optimal sind. So bestimmen es die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Den Notärzten und Kardiologen im Infarktnetz Göttingen gelingt diese schnelle Hilfe immer häufiger. Bei aktuell rund 70 Prozent der insgesamt 574 Infarktpatienten haben sie das empfohlene enge Zeitfenster für die Behandlung eingehalten. Die schnelle Hilfe für Infarktpatienten der Region ist das Ergebnis einer gut abgestimmten und kooperativen Infarktversorgung im Infarktnetz Göttingen. Maßgeblich dazu beigetragen hat auch die FITT-STEMI-Studie. FITT-STEMI (Feedback Intervention and Treatment Times in ST Elevation Myocardial Infarction) ist das Konzept zur Verbesserung der Behandlungszeiten von Herzinfarktpatienten. An der Studie nimmt die Brustschmerz Einheit (Chest Pain Unit CPU) am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen gemeinsam mit führenden Zentren in Deutschland teil.

"Wichtig ist es vor allem, die Zeit vom Erstkontakt bis zur Wiedereröffnung des infarktbedingt verschlossenen Gefäßes zu verkürzen", sagt Prof. Dr. Lars Maier, leitender Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Pneumologie am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen. Maier ist verantwortlich für das Infarktnetz Göttingen. Die Ärzte am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten bereits seit über 24 Monaten daran, diese so genannte "contact-to-balloon-Zeit" zu verbessern. Neueste wissenschaftliche Daten belegen, dass diese Zeit bereits um rund 40 Minuten verkürzt werden kann, wenn zwischen allen Behandelnden eine systematische Rückkopplung (Feedback) stattfindet. "Wir können stolz auf unsere Leistungen sein. Mit der Verbesserung der Behandlungszeiten helfen wir unseren Patienten unmittelbar. Unser Ziel ist es jedoch, dass alle Patienten in der angestrebten Zeit die Katheterbehandlung bekommen", sagt Prof. Dr. Lars Maier.

 

         
(Bilder v.l.n.r.: Bei einem Herzinfarkt kommt es auf schnelle medizinische Hilfe an. Foto: umg/hzg, Logo der FITT-STEMI-Studie, Logo des Chest Pain Unit-Registers der DGK) 

 

FITT STEMI: Verbesserungen in der Infarktversorgung

Keine Zeit unnötig verlieren - darauf ist das Versorgungskonzept der Partner im Infarktnetz Göttingen Schritt für Schritt abgestimmt: Bei Patienten mit einem Verdacht auf Herzinfarkt wird bei optimaler Behandlung vom Notarzt sofort ein EKG geschrieben. Mit diesem Elektrokardiogramm misst der Arzt die Herzspannungskurve. Ist ein bestimmter Abschnitt im EKG, die so genannte "ST-Strecke", bogenförmig angehoben, wird der Patient direkt ins Herzkatheterlabor gebracht und behandelt. Bereits zu diesem Zeitpunkt setzen die Verbesserungen in der Infarktversorgung ein: Frühzeitig informiert der Notarzt telefonisch die diensthabenden Oberärzte in der Brustschmerzeinheit. Patienten aus den umliegenden Gebieten in Südniedersachen, Nordhessen sowie Thüringen kommen über einen so genannten Primärtransport ins Herzzentrum Der Notarzt übergibt den Patienten direkt an das Herzkatheterlabor.

Betroffene, die mit ersten Anzeichen für einen Herzinfarkt, aber ohne ST-Hebun¬gen im EKG, in die Notaufnahme des Klinikums kommen, werden sofort an die Chest Pain Unit im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen weitergeleitet und erhalten dort gezielte und rasche Hilfe. Die Behandlungsqualität für Patienten mit Brustschmerz kann jedoch noch weiter verbessert werden. "Leider verkennen viele unserer Patienten den Herzinfarkt und rufen viel zu spät den Notarzt", sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumologie am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.

Zertifizierte Chest Pain Unit. Das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen hat bereits im Dezember 2006 die erste Chest Pain Unit in Niedersachsen eingerichtet und ist 2009 als erste Brustschmerzeinheit in Niedersachsen von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziert worden. Diese spezialisierte Einheit ist seit Beginn an der Erhebung des Deutschen Chest Pain Registers der DGK beteiligt.

FITT-STEMI (Feedback Intervention and Treatment Times in ST Elevation Myocardial Infarction) ist das Konzept zur Verbesserung der Behandlungszeiten von Herzinfarktpatienten. Es wurde 2009 mit dem mit dem Golden-Helix-Award und 2010 mit dem Förderpreis der Stiftung Versorgungsforschung ausgezeichnet. Gesamtprojektleiter der FITT-STEMI-Studie ist Prof. Dr. Karl-Heinrich Scholz, St.-Bernward-Krankenhaus, Hildesheim.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abt. Kardiologie und Pneumologie - Herzzentrum Göttingen
Prof. Dr. Lars S. Maier,
Telefon 0551 / 39-6372, lmaier@med.uni-goettingen.de



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