Presseinformationen

Presseinformation Nr. 17 vom 19. Oktober 2011

„Wenn ich groß bin, werde ich auch Arzt“

11-jähriger Junge aus dem Irak dank der Kinder-Hilfe-Irak und der Universitätsmedizin Göttingen erfolgreich am Göttinger Herzzentrum operiert


(umg) Der 11-jährige Ammar Jabbar Al Muqdad aus dem Irak kann wieder lachen. Er litt seit seiner Geburt an einem schwerwiegenden Herzfehler. In einer dreistündigen Operation korrigierte Prof. Dr. Wolfgang Ruschewski, Schwerpunktprofessor für Kinderherzchirurgie am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen, die Fehlbildung des Herzens. Diese lebensrettende Behandlung wurde ermöglicht durch die Vermittlung der Kinderhilfe-Irak der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) und durch die Unterstützung des Vorstandes der Universitätsmedizin Göttingen.

JABBARS KRANKHEITSBILD
Jabbar litt an einem sogenannten Vorhofscheidewanddefekt. Bei diesem angeborenen Herzfehler klafft ein Loch in der Trennwand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens. Dies führt dazu, dass die Lunge mit zu viel Blut überschwemmt und das Herz überlastet wird. Folgen sind eine starke Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine verminderte Lebenserwartung. Im Endstadium kann ein irreversibler Lungenhochdruck entstehen, der zur Blausucht führt und nur noch durch einer Herz-Lungen-Transplantation erfolgreich behandelt werden kann.

Bei Jabbar war das Loch in der Herzscheidewand größer als eine 2-Euro-Münze. Aufgrund dieser Größe war der sonst übliche Verschluss des Defektes durch ein Schirmchensystem mittels eines Kathetereingriffs nicht möglich. Prof. Ruschewski verschloss daher das Loch in einer Operation unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine mit einem Flicken aus körpereigenem Herzbeutelgewebe. Dabei war nur eine Teileröffnung des Brustkorbs nötig, was die Erholung nach der Operation erheblich erleichterte. Die Ultraschallbilder nach dem Eingriff zeigen, dass das Loch komplett verschlossen werden konnte und beide Herzkammern jetzt normal funktionieren. Prof. Ruschewski ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Jabbar hat die Operation sehr gut überstanden. Der postoperative Verlauf war vollkommen komplikationslos, so dass wir Jabbar bereits nach 10 Tagen nach Hause entlassen konnten.“

HILFE AUS DEUTSCHLAND
Jabbars Familie kommt aus Sikar, einer Kleinstadt mit 20 000 Einwohnern im Südirak. Dort konnte Jabbar nicht ausreichend medizinisch versorgt werden. Auch finanziell hätte sich die Familie den Eingriff niemals leisten können. Der Vater ist Taxifahrer, die Familie lebt gemeinsam mit 21 Personen in einem kleinen Haus. Jabbar geht in die 5. Klasse. „Er liebt die Schule“, erzählt sein Vater, „er liest unglaublich viel und gerne. Leider ist er bisher aufgrund seiner Herzerkrankung nicht so richtig mitgekommen.“

Auch Prof. Dr. Thomas Paul, Direktor der Abteilung Kinderheilkunde III, Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin, freut sich über das gute Ergebnis: „Ohne die Operation wäre Jabbar möglicherweise keine 40 Jahre alt geworden. Nun kann Jabbar ein ganz normales Leben führen und all die Dinge tun, die Kinder in seinem Alter gerne tun möchten. “Einen konkreten Berufswunsch hat Jabbar auch schon: Er möchte einmal Arzt werden, um später anderen Menschen helfen zu können.

Das Geld für Behandlung, Flug und Unterkunft haben sich die Kinderhilfe-Irak und die Universitätsmedizin Göttingen geteilt. „Wir haben uns hier gerne engagiert“, sagt Dr. Martin Siess, Vorstand Krankenversorgung der Universitätsmedizin Göttingen. „Wir sind  beeindruckt von der Arbeit und dem humanitären Einsatz der IPPNW Kinderhilfe-Irak. Ich freue mich, dass die Operation durch unsere Spezialisten erfolgreich gewesen ist.“


WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abt. Pädiatrie III mit Schwerpunkt Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin
Direktor: Prof. Dr. Thomas Paul, Telefon 0551 / 39-6203
tpaul@gwdg.de

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abt. Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie - Schwerpunktprofessur Kinderherzchirurgie
Prof. Dr. Wolfgang Ruschewski, Telefon 0551 / 39-6004
wrusch@med.uni-goettingen.de



© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de


vorherige Mitteilung   Übersicht   nächste Mitteilung